Dr. Oliver Oswald betreut seit über 15 Jahren für die Prozess- und IT-Beratung Mieschke Hofmann und Partner (MHP) Unternehmen aus der Automobilbranche. Als Partner leitet der promovierte Ingenieur den Bereich Technology & Integration Solutions bei der Porsche-Tochter. Mit seinen 150 Mitarbeitern macht er neue Technologien für seine Kunden nutzbar. So auch bei einem Kundenprojekt, für das er und sein Team beim WirtschaftsWoche-Wettbewerb „Best of Consulting“ 2011 mit dem ersten Platz in der Kategorie IT ausgezeichnet wurden. 2012 erhielt MHP für die im Bereich Technology & Integration Solutions entwickelte App „Augmented Maintenance Manager“ von der Initiative Mittelstand den „Innovationspreis-IT“ .
Automotive Computing: Herr Dr. Oswald, wie glauben Sie, könnte Ihrer Meinung nach das Auto der Zukunft in 10-20 Jahren aussehen?
Dr. Oswald: Auch in 10 bis 20 Jahren wird es noch den Individualverkehr geben. Das Mobilitätsverständnis – vor allem bei der jüngeren Generation – wird sich aber deutlich verändern: Autos werden weniger als Statussymbole verstanden und stattdessen als ein Baustein im persönlichen Mobilitäts-Mix betrachtet – neben den verschiedenen Öffentlichen Verkehrsmittel oder dem Fahrrad.
Das bedeutet zum einen, dass sich das Auto der Zukunft nahtlos in die alltäglichen Abläufe integrieren lassen muss. Zum anderen muss es den sozialen und ökologischen Werten der Fahrer entsprechen, um akzeptiert zu werden. Alternative Antriebe sind dabei ein ganz wesentlicher Aspekt. Sie müssen weiterentwickelt und deren Nachhaltigkeit muss transparent gemacht und vermittelt werden. Vermutlich fahren wir in 20 Jahren autonom, vernetzt und mit Wasserstoff.
Automotive Computing: In der Automobilbranche herrscht bekanntlich ein großer Innovations- und Lieferdruck. Wie sollte Ihrer Meinung nach die Infrastruktur der IT beschaffen sein, um diesem Druck zu begegnen? Wie kann die IT dabei nützlich sein?
Dr. Oswald: Die IT muss eine Plattform bieten, um Geschäftsprozesse möglichst schnell, sicher und unkompliziert zu unterstützen – nicht zuletzt bei der Fahrzeugentwicklung und beim Management der Lieferkette. Dabei muss die IT-Infrastruktur moderne Paradigmen, wie zum Beispiel „In-Memory“ oder „Social Business“ aktiv integrieren und zur Verfügung stellen.
Auch die IT selbst sollte als Feld für Innovationen begriffen werden. Damit Unternehmen dafür ausreichend Kapazitäten haben, sollten sie Routine- und eher triviale Aufgaben über etablierte Standards als Services beziehen. Wer Anwendungs- und Infrastrukturleistungen in der Form auslagert, merkt ein spürbare Entlastung und kann sich stärker auf die mehrwertstiftenden IT-Themen konzentrieren.
Automotive Computing: Was ist Ihrer Meinung nach aktuell die größte Herausforderung für die Automobilindustrie im Zusammenhang mit der IT?
Dr. Oswald: Aus meiner Sicht gibt es für die Unternehmen aktuell drei Handlungsfelder:
- Das Selbstbild der IT muss sich wandeln: weg vom internen Dienstleister der Fachbereiche, hin zum Innovator, der einen deutlichen Business-Mehrwert realisiert.
- Die Budgets für den Betrieb der IT-Infrastruktur müssen effizienter eingesetzt und zugunsten der Projektbudgets umverteilt werden. Gleichzeitig sollten starre Strukturen – etwa langlaufende Vorgehensmodelle – aufgelöst werden, damit sich die schnell verändernde Prozesswelt ohne Applikationsstaus unterstützen lässt.
- Heterogene Prozess- und Anwendungslandschaften müssen den anhalten Trend von Merger and Accquisitions unterstützen um ein effizientes Carve-In und Carve-Out zu ermöglichen.
Automotive Computing: Embedded Systems werden bereits in vielen Fahrzeugen eingesetzt, also beispielsweise Kollisionswarner oder Spurassistenten. Ist dies Ihrer Meinung nach für den Fahrer nützlich oder könnte es ihn gar auf Dauer überfordern oder zum Leichtsinn reizen?
Dr. Oswald: Das Ziel des Autofahrers ist in der Regel, von Punkt A zu Punkt B zu gelangen. Alle Technologien, die ihm dabei helfen oder die Fahrt angenehmer machen, nimmt er positiv wahr und fordert diese auch zunehmend aktiv ein. Aus eigener Erfahrung kann und möchte ich auf den Kollisionswarner, den Spurassistenten und all die anderen Gadgets nicht mehr verzichten und freue mich schon auf das autonome Fahren. Dass Smartphone-erfahrene Fahrer, die jeden Tag in allen Lebensbereichen mit Technologie umgehen, überfordert sein könnten, glaube ich nicht.
Automotive Computing: Glauben Sie, dass die IT in der Lage ist, die Wertschöpfung am Endprodukt „Automobil“ zu erhöhen? Können Sie uns ein paar Gründe nennen?
Dr. Oswald: Absolut! Über die Integration von Fahrzeugen in die Backendsysteme der OEMs können die Hersteller völlig neue und lukrative Geschäftsfelder erobern – zum Beispiel können sie schnellere und kundengerechtere Services anbieten. Wer etwa die via Internet gesammelten Fahrzeugdaten nutzt, um seine Kunden auf erforderliche Werkstatttermine hinzuweisen, stärkt die Kundenbindung und kann gleichzeitig die interne Ersatzteilbeschaffung optimieren. Auch an das Fahrzeug angrenzende Dienstleistungen – die Reiseplanung, die Hotelbuchung, die direkte Navigation ans Ziel, alles an die persönlichen Präferenzen angepasst –bieten Potenzial für Up- und Crossselling.
Automotive Computing: Herr Dr. Oswald, wir danken Ihnen für das Gespräch.







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